Im Januar 2027 blickt die gesamte Handballwelt gespannt auf die IHF Men’s World Championship 2027 in Deutschland. Vom 13. bis zum 31. Januar kämpfen die besten Handballnationen der Welt um den Weltmeistertitel. Doch wer sind die Favoriten? Wer sind die Stars der Teams? Und wer trainiert eigentlich die besten Nationen der Welt? Hier gibt es einen Überblick. Heute im Fokus: Kroatien.
Cindrić und Martinović - die Erben Duvnjaks
Kroatischer Handball, das sind Kampf, Leidenschaft und Emotionalität pur. Handball wird auf dem Balkan nicht gespielt, sondern gelebt. Niemand verkörpert diese Einstellung so sehr wie Domagoj Duvnjak vom THW Kiel. Der Spielmacher ist eine Koryphäe in seinem Heimatland. 796 Toren in 272 Spielen stehen für ihn im Nationaltrikot zu Buche. Damit hält er die Rekorde für die meisten Tore und Spiele in der Nationalmannschaft. 2025 beendet Duvnjak nach der Handball-Weltmeisterschaft seine Karriere im Nationaldress. Sein schweres Erbe treten zwei Spieler gemeinsam an:
Luka Cindrić leitet jetzt das Spiel der Kroaten. Der 33-jährige Spielgestalter hat bereits vor Duvnjaks Abgang eine gewichtige Rolle inne, ist nun aber der alleinige Chef im Angriffsspiel. Hierbei kommt ihm vor allem seine Erfahrung zugute. Cindrić hat nahezu alles im Handball erlebt, bei etlichen Top-Teams in Europa gespielt:
- 2012- 01/2014- HRK Karlovac (CRO)
- 01/2014- 2015- RK Metarlung Skopje (MKD)
- 2015- 2018- RK Vardar Skopje (MKD)
- 2018- 2019- Industria Kielce (POL)
- 2019- 2023- FC Barcelona (ESP)
- 2023- 2024- CS Dinamo Bukarest (ROU)
In dieser Zeit gewann Cindrić unter anderem dreimal die EHF Champions League. Seit 2024 läuft er für den ungarischen Spitzenklub One Veszprém HC auf.
Das Trikot der Ungarn streift sich seit Juli 2025 auch Ivan Martinović über. Der 28-jährige wurde in Wien geboren, entschied sich aber, für Kroatien zu spielen. Er durchlief in der Folge sämtliche Jugend- und Juniorennationalmannschaften Kroatiens. 2019 gewann er mit der U21-Nationalmannschaft Silber bei der Weltmeisterschaft und wird als MVP des Turniers ausgezeichnet. In den folgenden Jahren etablierte sich der Rückraumrechte in der A-Nationalmannschaft. Nach dem Abtritt Duvnjaks 2025 wurde Martinović vom Team und seinem neuen Trainer zum neuen Kapitän des Teams berufen.
Der Anführer der Bad Boys bringt frischen Wind in den kroatischen Handball
Die Staatsangehörigkeit seines neuen Trainers ist ein Novum im kroatischen Handball: Dagur Sigurdsson ist seit der Unabhängigkeit Kroatiens 1991 der erste Trainer des Landes, der nicht auf der Balkanhalbinsel geboren wurde. Der 52-jährige Isländer übernahm die kroatische Mannschaft vor zwei Jahren nach der EHF EURO 2024 in Deutschland. Es ist bereits seine vierte Station als Nationaltrainer eines Landes.
Angefangen hat seine Karriere zunächst als Spieler auf Island. Bis 1996 spielt er auf der Insel für Valur Reykjavík. Es folgen Stationen beim Bundesligisten LTV Wuppertal, Wakunaga Hiroshima in Japan und A1 Bregenz in Österreich. In dieser Zeit bestritt der Mittelmann zudem 215 Länderspiele für sein Heimatland. Für Sigurdsson ist bereits früh klar, dass er vom Feld an die Seitenlinie wechseln möchte. Bei Wakunaga Hiroshima und A1 Bregenz agiert er bereits als Spielertrainer.

Von 2008 bis 2010 trainierte Sigurdsson die österreichische Nationalmannschaft. Während dieser Zeit heuerte er auch bei den Füchsen Berlin an. Von 2009 bis 2014 betreute er den Hauptstadtklub. Ab Sommer 2014 übte Sigurdsson erneut eine Doppelfunktion aus. Er war fortan Trainer der deutschen Nationalmannschaft und der Füchse Berlin. Bis 2017 blieb er im Amt und ging mit dem Gewinn der Europameisterschaft 2016 in die Geschichtsbücher des DHB ein. Im Anschluss trainierte Sigurdsson bis 2024 die Nationalmannschaft Japans.
Nun kehrt der Trainerfuchs in das Land zurück, mit dem er seinen bisher größten Erfolg feierte. Bei der Handball-Weltmeisterschaft 2027 in Deutschland will Sigurdsson auch mit der kroatischen Mannschaft viele Erfolge feiern – und am liebsten natürlich den WM-Titel gewinnen.
Kroatien bei der WM 2027: Der Start in eine neu erfolgreiche Ära ist geglückt
Die Geschichte Kroatiens ist durch den Aufbau und Zerfall Jugoslawiens geprägt. Erst seit 1990 existiert der kroatische Handballverband. 1994 nahm das Team zum ersten Mal an einer internationalen Meisterschaft teil – der Europameisterschaft. Kroatien gewann auf Anhieb die Bronzemedaille. Bei der Weltmeisterschaft 1995 sicherte sich die kroatische Auswahl die Silbermedaille, bei den Olympischen Spielen 1996 sogar die Goldmedaille.
In den folgenden Jahren mussten sich die kroatischen Fans gedulden. Der nächste Erfolg ließ bis 2003 auf sich warten: Gold bei der WM 2003, Gold bei den Olympischen Spielen 2004 und Silber bei der WM 2005. Die Mannschaft um Welthandballer Ivano Balić war in diesen Jahren kaum zu schlagen. Es sind bis heute die größten Erfolge der kroatischen Handball-Nationalmannschaft.
Die nächste erfolgreiche Ära beginnt drei Jahre später. Von 2008 bis 2013 verpasst das Team bei allen drei Großereignissen nur zweimal eine Medaille, und nur ein einziges Mal das Halbfinale:
- Europameisterschaft 2008: Silber
- Olympische Spiele 2008: 4. Platz
- Weltmeisterschaft 2009: Silber
- Europameisterschaft 2010: Silber
- Weltmeisterschaft 2011: 5. Platz
- Europameisterschaft 2012: Bronze
- Olympische Spiele 2012: Bronze
- Weltmeisterschaft 2013: Bronze
Das Team um die Superstars Ivano Balić, Domagoj Duvnjak und Igor Vori dominiert neben der französischen Mannschaft den Welthandball. Doch nach 2013 bleiben die großen Erfolge aus. Lediglich eine Bronzemedaille bei der EHF EURO 2016 kommt hinzu. Es ist also aus Sicht der Fans höchste Zeit für eine neue erfolgreiche Ära im kroatischen Handball.
Vielleicht hat diese neue Ära auch schon begonnen. Seit Sigurdssons Amtsantritt im Februar 2024 spielt Kroatien wieder um Medaillen mit. Im Finale der IHF Men’s World Championship 2025 unerlag das Team zwar den übermächtigen Dänen. Die Silbermedaille ist dennoch ein großartiger Erfolg. Bei der EHF EURO 2026 besiegte das Team im kleinen Finale Sigurdssons Heimatland Island und gewann die Bronzemedaille. Eine Sache dürfte somit feststehen: Kroatien ist zurück in der Weltspitze des Handballs.
Medaillenregen soll bei der Handball-WM 2027 weitergehen
Den ersten Schritt auf dem Weg zur nächsten Medaille sind die Kroaten bereits gegangen. Der dritte Rang bei der EHF EURO 2026 berechtigt zur Teilnahme an der IHF Men’s World Championship 2027 in Deutschland. Wer die Vorrundengegner sind, erfährt die Mannschaft bei der Auslosung am 10. Juni 2026 im Hofbräuhaus in München.
Feststeht bereits der Austragungsort der Vorrunde; die Kroaten spielen im SAP Garden in München. Die Kroaten sind als Vorrundenkopf der Gruppe C gesetzt. Bei erfolgreicher Qualifikation würde das Team bereits zur Hauptrunde nach Köln reisen.
Mehr Infos zur Weltmeisterschaft 2027 in Deutschland:
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