Im Januar 2027 blickt die gesamte Handballwelt gespannt auf die IHF Men’s World Championship 2027 in Deutschland. Vom 13. bis zum 31. Januar kämpfen die besten Handballnationen der Welt um den Weltmeistertitel. Doch wer sind die Favoriten? Wer sind die Stars der Teams? Und wer trainiert eigentlich die besten Nationen der Welt? Hier gibt es einen Überblick. Heute im Fokus: Island.
Island bei der Handball-WM 2027: Zweikampfspezialisten ohne Starallüren
Den 18. Juni 2023 wird Gísli Kristjánsson sicherlich nie wieder vergessen. An jenem Sonntag feiert er mit dem SC Magdeburg seinen ersten Titelgewinn in der EHF Champions League. Einen Tag zuvor verletzt sich der Spielmacher des SC Magdeburg im Halbfinale noch an der Schulter. Die Schockdiagnose: Er muss operiert werden. Doch Kristjánsson beißt auf die Zähne, spielt das Finale, gewinnt es mit seinem Team und wird als MVP des Final-Four-Turniers ausgezeichnet. Die Geschichte unterstreicht eine seiner größten Stärken: Der Isländer kennt keinen Schmerz. Er geht dorthin, wo es weh tut. Immer wieder sucht er im Angriff den Zweikampf. Häufig gewinnt er ihn dank seiner herausragenden Qualitäten im Eins-gegen-Eins. Das Spiel der Isländer ist auf genau diese Qualitäten ausgelegt. Der 26-Jährige beherrscht sie wie kein Zweiter.
Im rechten Rückraum der Isländer spielt aber jemand, der sie ähnlich gut beherrscht: Kristjánsson Teamkollege Ómar Ingi Magnússon. Seit 2020 sind beide die prägenden Figuren im Angriffsspiel des SC Magdeburg. Sie tragen maßgeblich zu den Erfolgen der letzten Jahre bei; durften bereits zahlreiche Pokale in die Höhe strecken:
- EHF European League-Sieger 2021
- EHF Champions League-Sieger 2023 & 2025
- IHF Men’s Super Globe-Sieger 2021, 2022 & 2023
- Deutscher Meister 2022 & 2024
- DHB-Pokal-Sieger 2024
Der 29-jährige Magnússon und Kristjánsson besitzen nebenihrer Zweikampfstärke eine weitere Gemeinsamkeit: ihre Ruhe. Beide sind nicht als Lautsprecher ihrer Mannschaft bekannt. Sie lassen viel lieber ihre Taten auf dem Spielfeld für sich sprechen.
Der dritte im Bunde der Zweikampfspezialisten ist Janus Smárason. Der 31-jährige ist auf Rückraum Mitte beheimatet, spielt für Island aber meist im linken Rückraum. Smárason ist seit 2024 für das ungarische Team OTP Bank-PICK Szeged aktiv. Vorher spielte er gemeinsam mit Kristjánsson und Magnússon beim SC Magdeburg. Das Trio ist also bestens miteinander vertraut. Den 31 Jahre alten Smárason zeichnen dieselben Attribute wie seine beiden Nebenleute aus: Zweikampfstärke und Besonnenheit. Diese Tugenden wollen die drei 2027 bei der Handball-Weltmeisterschaft in Deutschland erneut einbringen. Wie jüngst bei der EHF EURO 2026 soll die Reise der Mannschaft frühstens beim Final-Wochenende vom 29. bis zum 31. Januar in der Kölner LANXESS Arena enden. Es wäre ein historischer Erfolg für Island.

Islands Handall-WM-Historie: Einer der Helden von 2008 steht an der Seitenlinie
Der größte Erfolg der isländischen Handballer datiert aus dem Jahr 2008. Es ist bis heute sogar der größte Erfolg einer isländischen Mannschaft bei Olympischen Spielen: die Silbermedaille im Handball bei den Olympischen Spielen 2008 in Peking. Die damalige Mannschaft ist gespickt mit Weltklasse-Spielern wie Ólafur Stefánsson, Gudjón Valur Sigurdsson und Alexander Petersson.
Taktegeber der Mannschaft ist aber ein anderer: Spielmacher Snorri Steinn Gudjónsson. Mit 48 Treffern belegt er am Ende den zweiten Platz in der Torschützenliste. Folgerichtig wird er als bester Mittelmann des Turniers ausgezeichnet. Guðdjónsson bestreitet in seiner Karriere insgesamt 257 Länderspiele, in denen er 846 Tore für sein Heimatland wirft. Heute verantwortet er als Nationaltrainer die Geschicke der isländischen Mannschaft.
Gudjónssons Spielerkarriere beginnt bei Valur Reykjavík. 2003 folgt der Wechsel nach Deutschland. Der Spielmacher heuert beim Traditionsklub TV Großwallstadt an. Es folgen Stationen bei GWD Minden, GOG Handbold (DEN) und den Rhein-Neckar Löwen. Nach weiteren Stationen in Dänemark und Frankreich beendet Gudjónsson 2017 seine Karriere bei Valur Reykjavík. Hier startet er direkt nach dem Karriereende seine Trainerlaufbahn. 2023 beendet er sein Engagement bei Valur zu Gunsten des Postens als Nationaltrainer.
Im Januar führt er sein Team auf den vierten Platz der EHF EURO 2026. Nach diesem Erfolg möchte er mit seinem Team nun auch bei der IHF Men’s World Championship 2027 in Deutschland um die vorderen Platzierungen mitspielen.
Olympia-Silber 2008 ist das Aushängeschild des isländischen Handballs
Handball hat auf Island einen hohen Stellenwert. Viele Kinder sind in den Vereinen aktiv und laufen durch die Sporthallen des Landes. Viele von ihnen schaffen später den Sprung ins europäische Ausland, die besten sogar in die Nationalmannschaft. Mit ihren Vereinen gewinnen viele die wichtigsten Titel auf Vereinsebene. Die besten Beispiele sind Gísli Kristjánsson und Ómar Ingi Magnússon. Trotz zahlreicher Stars bleibt der Erfolg im Nationaldress weitestgehend aus.
23 Teilnahmen an Weltmeisterschaften stehen zu Buche. Noch nie wurde das Halbfinale erreicht. 1997 landet das Team auf dem fünften Platz. Es ist das beste Ergebnis jemals. Das mit Abstand schlechteste Ergebnis: der 20. Platz 2021.
Vierzehnmal qualifizierten sich die Isländer für die Endrunde eine Europameisterschaft. Dreimal reicht es für das Halbfinale. Jedes Mal wurde es verloren. Zweimal unterliegen die Isländer auch im Anschluss im Spiel um Platz 3: 2002 und 2026. Einmal reicht es für die Bronzemedaille: 2010 besiegt man Polen mit 29:26 im kleinen Finale.
Am besten läuft es für die Isländer bei den Olympischen Spielen. Siebenmal qualifiziert sich der kleine Inselstaat für das größte Sportereignis der Welt. 1992 schafft die Mannschaft den Sprung ins Halbfinale. Am Ende reicht es nur für den vierten Platz. 2008 folgt der bereits erwähnte Silber-Coup von Peking. Erst im Finale unterliegt man dem französischen Starensemble um die Welthandballer Nikola Karabatić und Thierry Omeyer.
Heimspiele in der Vorrunde für drei Isländer
Nun soll es bei der Handball-Weltmeisterschaft 2027 in Deutschland endlich so weit sein. Der Schritt ins Halbfinale soll gelingen. Qualifiziert ist das Team von Snorri Gudjónsson durch den vierten Platz bei der EHF EURO 2026 bereits. Ebenfalls klar skizziert ist der Weg der Isländer nach Köln:
Island ist als Gruppenkopf der Gruppe H gesetzt. In der Vorrunde dürfen sich Gísli Kristjánsson, Ómar Ingi Magnússon und Elvar Örn Jónsson vom SC Magebdurg deshalb über drei Heimspiele freuen. Bei einer erfolgreichen Qualifikation für die Hauptrunde ginge die Reise von der GETEC Arena weiter zur ZAG Arena nach Hannover. Dort träfe das Team auf die Teams aus Gruppe G, in der Dänemark gesetzt ist. Die Vorrundengegner der Isländer werden am 10. Juni im Hofbräuhaus in München ausgelost.
Mehr Infos zur Weltmeisterschaft 2027 in Deutschland:
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- Wichtige Information für den Turnierverlauf: Die Gruppenköpfe stehen fest
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